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91 Seiten – PDF Format
Herausgabedatum: Januar 2020

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Produktbeschreibung

DIE CES 2020 HIGHLIGHTS

Das Thema Nachhaltigkeit bestimmte dieses Jahr den Automobilbereich der CES. Neben dem Wunsch, eins mit der Natur zu werden und mit ihr durch das Auto zu verschmelzen, wie dies durch das Daimler Konzept AVTR illustriert wurde, haben viele Konzerne ihre Nachhaltigkeitsinitiativen präsentiert. Bosch, Faurecia und Daimler planen die Erreichung einer CO2 neutralen Produktion ab den Jahren 2021, 2023 respektive 2030. Microsoft, das laut eigener Aussage seit 2012 klimaneutral arbeitet, plant bis 2030 weitere 75% seiner Emissionen zu senken.

Auf Nachhaltigkeit wurde auch bei Innenraummaterialien gesetzt. So wird Fisker beispielweise alte Fischernetze und Plastikmüll aus dem Meer für seine Teppiche und Polster in seinen Serienfahrzeugen verarbeiten. Audi, BMW und Daimler haben neben wiederverwendeten Plastikmaterialien, Hölzer aus kontrolliertem Anbau für die Interieurs ihrer Konzeptfahrzeuge eingesetzt.

Toyota sorgte mit seiner Ankündigung, in seinem ehemaligen Werk Higashi Fuji am Fujiyama in Japan eine klimaneutrale Stadt für 2.000 Einwohner zu bauen, für Aufsehen. Die Grundsteinlegung für die «Woven City» erfolgt Anfang 2021 basierend auf den Plänen des dänischen Architekten Bjake Ingels. Die Stadt soll vollständig mit Wasserstoff betrieben werden. Das Verkehrskonzept sieht elektrischen Individualverkehr mit Rollern und Fahrrädern sowie geteilte Transportmittel vor.

Während sich die Automobilindustrie in Deutschland auf batteriebetriebene Elektromobilität fokussiert, hat Hyundai Mobis bei der CES seine wasserstoffbasierte Brennstoffzelle für den Einsatz in verschiedenen Fahrzeugen vorgestellt. Faurecia präsentierte seine Komponenten für brennstoffzellenbetriebene Fahrzeuge, die aus dem letzten Jahr mit Michelin gegründeten JV hervorgehen. Nikola Motors fuhr zum ersten Mal bei der CES mit seiner brennstoffzellenbetriebenen Zugmaschine für Lastwagen auf.

Das aber auch Batterien nachhaltig sein können, zeigte Daimler mit seiner 100% wiederverwertbaren Batterie. Zusammen mit IBM entwickelt das Unternehmen eine 110-kWh graphenbasierte organische Batterie ohne seltene Erden und Metalle.

Geteilte Transportmittel zu Land und in der Luft mit Hinblick auf die Verkehrsentlastung der Städte und die Erzielung von Zeitersparnis waren ein anderes wichtiges Thema der CES 2020. Neben Bell, die dieses Jahr zusammen mit Uber Elevate eine Weiterentwicklung ihrer batterie-elektrischen Drone zum Personentransport vorgestellt haben, feierte Hyundai zusammen mit Uber Elevate Weltpremiere seines Dronenkonzepts.

Während Hyundai seinen Fokus auf Bezahlbarkeit und Markteinführungsgeschwindigkeit legt, setzt Bell, als erfahrenes Luftfahrtunternehmen, auf Luftfahrtstandards und -sicherheitsanforderungen. Bell hat ausserdem dieses Jahr eine App präsentiert, die sowohl Nutzern die Buchung von Flügen erlaubt und Dronen-Betreibern die Planungen des Einsatzes, die Überwachung und die Wartung ihrer Fluggeräte. Es bleibt abzuwarten, welcher der beiden Partner langfristig für Uber Elevate der Attraktivere sein wird.

Neben diesen Luftshuttles haben aber auch wieder Bodenshuttles eine erhebliche Rolle gespielt. Die Branche ist sich mittlerweile einig, dass autonomes Fahren kurzfristig sowohl aus rechtlichen als auch aus preislichen Gründen zunächst nur in Robotaxis, Shuttles und Lastwagen mit Sondergenehmigungen zum Einsatz kommt. Mobileye nimmt heute einen Aufpreis von $ 10.000 – $ 15.000 für L4/5 Fahrfunktionen pro Fahrzeug an. Ein Aufpreis, der trotz sinkender Preise auch von den derzeit angebotenen Lidar Sensoren herrührt, von denen eine Vielzahl an Anbietern auf der CES 2020 präsent waren.

Um einen akzeptablen Preis für autonomes Fahren für individuelle Wagenbesitzer zu erreichen, hat Mobileye ein Konzept auf der CES 2020 vorgestellt, bei dem L4/5 Fahrfunktionen nur mit kamerabasierter Umfeld-Erkennung unterstützt werden. Redundanzen zur Verifizierung der Umgebungserkennungsdaten und Messungen werden rein softwarebasiert auf Berechnungen von Bildern von 2D in 3D, Vergleich von erfassten Bildern, und anderen Bilderkennungsmechanismen zwischen verschiedenen Kameras, Bildfusionen, usw. erzeugt. In Kombination mit Mobileye’s neuer elektronischer Steuereinheit EPM6, die 2023 auf den Markt kommt, rechnet Mobileye mit einem Aufpreis für autonomes Fahren von nur noch $ 5.000 pro Fahrzeug und somit der möglichen Integration in Privatfahrzeuge.

Vor dem Zeithorizont einer Einführung von L4 autonomen Fahren ab ca. 2025 und später, fokussiert sich die Branche aktuell auf die Vermarktung von L2+ ADAS Funktionen mit der Zielsetzung, Unfälle bei manuellem Fahren zu vermeiden. Den Mehrpreis für L2+ Fahrfunktionen beziffert ZF, die neben Veoneer und Faurecia diesbezüglich Lösungen auf der CES vorgestellt haben, auf unter $ 1.000 pro Fahrzeug.

Diesen Trend unterstützend, hat Magna in der Woche nach der CES mitgeteilt, sich im Moment aus der Entwicklung von L4/5 Fahrfunktionen zurückzuziehen.

Neben der Erkennung der Fahrzeugumgebung werden L2+ Fahrfunktionen über Innenraumkameras unterstützt, mit Hilfe derer, Fahrer und anderen Insassen beobachtet werden. Neben der Erkennung von Aufmerksamkeit, kognitiver Belastung, Haltung und Sitzposition werden immer weitere Funktionen wie beispielweise Sitzbelegungserkennung, Sicherheitsgurtkontrolle, Position der Hände, Blickerfassung, Gestenerkennung und Identifizierung der Insassen in diese Kamerasysteme integriert, um den vollen Mehrwert der Systeme auszunutzen. Da diese Systemintegrationen nicht nur in Shuttle Konzepten auf der CES zu sehen war, sondern auch in zukünftigen Serienfahrzeugen wie dem Byton M-Byte oder dem FF91 von Faraday Future, werden durch diese Zusammenfassung von Funktionen kurzfristig wohl heute etablierte Komponenten im Innenraum wegfallen.

Insgesamt geht die Entwicklung im Innenraum mit Blick auf das Well-being-on-board und Shared Mobility weiter. Neben Produktivitätssteigerungen wie z.B. Arbeiten an Board mit Office Funktionen und Videokonferenzen bei Faurecia und Byton, der Erzielung von Zeiteinsparung durch die Integration eines Reinigungsschrankes wie im ThinQ von LG, soll der Fahrzeuginnenraum zum verlängerten Wohnzimmer werden und zum loungen mit übergangslosen Medieninhalten einladen. Die Nutzer können hierbei über ihre Fahrzeug-ID oder über ihre Mobilgeräte individuelle Inhalte und Präferenzen einbringen. Individuelle Sound- und Bildschirmzonen wurden hierzu weiter verbessert und sorgen für Vertraulichkeit der Inhalte und die Ungestörtheit Mitreisender. Neue Stimmerkennungskonzepte, die beispielsweise von Cerence, Visteon und IAV bei der CES gezeigt wurden, verstehen und antworten in der jeweiligen Muttersprache der Nutzer und können Zugriffsrechte auf Inhalte und Anweisungen zuordnen.

Interessant ist hierbei auch die Digitalisierung des gesamten Soundsystems. Continental und Faurecia gehen sogar so weit, physikalische Lautsprecher wegfallen zu lassen und den vollen Klang über vibrierende Oberflächen im Fahrzeug zu erzeugen. Neben Kostenvorteilen führt dies zu deutlichen Gewichtseinsparungen und Vorteilen im Bauraum.

Um die Kommunikation mit den Nutzern und das Abspielen von Inhalten zu unterstützen, wurden auf der diesjährigen CES auch viele neue Bildschirmkonzepte vorgestellt. Transparente Bildschirme können hierbei, je nach Situation, als Fenster oder Anzeigefläche fungieren. Tiefschwarze Bildschirme beispielsweise von Visteon und Gentex verschmelzen mit den sie umgebenden Oberflächen in Klavierlackoptik und sind nicht mehr erkennbar, wenn sie ausgeschaltet sind.

Wie schon im letzten Jahr kann man wohl insgesamt von der diesjährigen CES 2020 sagen, dass der Trend zur Umsetzung der Visionen hin zu marktfähigen Produkten weitergeht, mit der Perspektive, unfallfreies Fahren kurzfristig zu unterstützen und ab Mitte/ Ende der 2020er hochautomatisierte Fahrzeuge vermehrt auf den Strassen zu haben. Einem Zeitpunkt, zu dem wir wohl aus heutiger Sicht wohl auch die ersten Dronen zum Personentransport am Himmel sehen werden.

Der «CES 2020 Automotive Innovation Report» gibt hierzu einen Gesamtüberblick der Automobilbranche bei der diesjährigen CES, welche Anbieter derzeit an welchen Fahrzeug-, Sensor- und Interieur-Technologien arbeiten, um hochautomatisierte Fahrfunktionen zu entwickeln und Sicherheits-, Komfort- und Multimedia-Funktionen innerhalb des Interieurs zu unterstützen.